Die Schweiz: Musterland für Innovationen?

Aargau / Berlin, Februar 2017

INTERVIEW MIT ALUMNUS NILS GEBHARDT ÜBER DEN PARK INNOVAARE IN DER SCHWEIZ.


Was ist der PARK INNOVAARE?


Der PARK INNOVAARE ist eine Standortentwicklung im Aargau, einem Kanton mit 600.000 Einwohnern im Nordwesten der Schweiz. Dort liegt das grösste naturwissenschaftliche Forschungszentrum des Landes, das Paul Scherrer Institut PSI. In dessen unmittelbarer Nachbarschaft wird mit dem Park eine neue Infrastruktur entstehen, mit der der Technologietransfer von der Grundlagenforschung hinein in die anwendungsorientierte Forschung der Industrie gefördert werden soll. Bis 2020 werden dort neue Gebäude mit 36.000 m2 Hauptnutzfläche gebaut, darin Labore, Reinräume, Büros, Konferenz- und Seminarräume sowie Gastronomie.

 
Woher kam die Idee zu Switzerland Innovation Park Innovaare?

Das Projekt ist aus einer schweizweiten Ausschreibung hervorgegangen. Die Idee reicht rund 10 Jahre zurück. Damals wurde für einen alten Flughafen in der Nähe von Zürich eine neue Verwendung gesucht. Auf rund 100 Hektar sollte eine gigantische Konzentration von Forschungsinstituten und der Industrieunternehmen herbeigeführt werden. Die Idee: durch ausreichend Platz und gute Rahmenbedingungen die Innovationskraft der Schweiz für die nächsten Jahrzehnte sichern und im Idealfall ein schweizerisches Silicon Valley zu schaffen. Ende 2013 setzte sich jedoch die Auffassung durch, dass es das nicht nur an einem Ort geben solle und sich alle 26 Kantone um einen Standort bewerben dürften. Das ist sehr typisch für die Schweiz, ein viel stärker als Deutschland föderal geprägter Bundestaat. Gut für mich, denn ich kam für diese Ausschreibung zunächst als stellvertretender Projektleiter an Bord. Fünf Standorte, darunter wir, wurden schliesslich ausgewählt.


Innovationsförderung ausgerechnet in der Schweiz?

Die Frage ist berechtigt, denn die Schweiz schneidet in Ländervergleichen zum Thema Innovation immer super ab. Das zeigt aber eher, was in der Vergangenheit gut gemacht wurde und nicht so sehr, wie fit das Land für die Zukunft ist. Hier gibt es Verbesserungsbedarf, zum Beispiel beim Transfer von Patenten in konkrete Produkte und Lösungen.

 
Welche Ziele sollen durch die Innovationsoffensive der Schweiz erreicht werden?

Es geht darum, hochwertschöpfende Arbeitsplätze aus dem Ausland in die Schweiz zu bringen. Ziel ist die Ansiedlung von Forschungszentren grosser internationaler Unternehmen in allen der fünf Standorte des Innovationsparks.

 
Was ist euer Forschungs- und Innovationschwerpunkt?

Der PARK INNOVAARE ist auf die Kompetenzen des benachbarten Instituts ausgerichtet. Das Paul Scherrer Institut beschäftigt mehr als 2.000 Mitarbeiter, darunter sehr viele Spitzenforscher, und betreibt einen weltweit einzigartigen Komplex an Teilchenbeschleunigern, sogenannte Grossforschungsanlagen, wie man sie vom CERN in Genf kennt. Diese werden von Wissenschaftlern und Industrie aus aller Welt genutzt. Vier Themen spielen dabei eine Rolle: erstens Materialwissenschaften, zweitens Gesundheitsthemen wie spezielle Strahlentherapien bei Krebsbehandlung oder Drug Discovery & Design, also die Suche nach neuen Medikamenten, drittens Energie und schliesslich viertens etwas, das wir unter dem Schlagwort Beschleunigertechnologie zusammenfassen. Und zwar entwickelt und betreibt das Institut die genannten Teilchenbeschleuniger selber. Diese Querschnittstechnologie ist hochkomplex und daher ein eigenes Forschungsfeld.


Welche Unternehmen sollen bzw. werden sich ansiedeln an den verschiedenen Standorten?

Aufgrund unserer Schwerpuntktsetzung und der hier am Standort bereits existierenden industriellen Basis zielen wir auf Unternehmen der Energiewirtschaft, insbesondere der erneuerbaren Energien. Im Bereich Healthcare haben wir schon eine Reihe junger Biotechnologiefirmen angesiedelt. Diese nutzen die überragenden Analyseverfahren an den Grossforschungsanlagen für Untersuchungen an Proteinmolekülen. Ferner zielen wir auf die Materialwissenschaft sowie auf Unternehmen des Spezialmaschinenbaus, dessen Kompetenzen für den Bau von Teilchenbeschleunigern benötigt werden.


Was ist dort deine Aufgabe?

Als Managing Director bin ich für Marketing, Finance, Personal und Organisation verantwortlich. Dabei unterstützt mich ein internationales Team von fünf Leuten aus der Schweiz, Frankreich, Polen und Russland. Im Moment ist dies eine stark marketinggetriebene Aufgabe mit zwei Dimensionen. Zum einen müssen wir den Standort weltweit bekannt machen, das heisst, hier geht es um Publizität. Zum anderen geht es darum zu verstehen, welche der im Institut verfolgten Forschungsfragen, das Potenzial haben, künftige Produkte und Anwendungen zu revolutionieren. Das ist der hochspannende Part der Innovationsentwicklung. Dabei arbeiten wir mit Forschern und Industrie zusammen, organisieren Workshops oder stossen Machbarkeitsstudien an. Ziel ist die Identifikation von neuen Geschäftsideen, die auf den Technologien des angeschlossenen Instituts basieren. Die daraus entstehenden Start-ups siedeln wir dann im Innovationspark an und unterstützen sie bei der Entwicklung, vergleichbar mit einem Inkubator. Damit gestalten wir ein Umfeld, das auch für die grossen ausländischen Unternehmen attraktiv ist.


Wie hilft dir das Wissen, das du bei deinem MBA erlangt hast, in deiner derzeitigen Position?

Fachlich betrifft das neben der Marketingdisziplin und dem Innovationsmanagement, für die das Steinbeisprogramm natürlich absolut erstklassig besetzt ist, vor allem die Themen Finance, HR und Organisation, mit denen ich mehr oder weniger täglich befasse. So bin ich beispielsweise für das Controlling verantwortlich. Klar werde ich dabei durch Dienstleister unterstützt, aber bei Budget und Finanzplanung, bei der Erstellung des Jahresabschlusses und des Geschäftsberichtes greife ich direkt auf das im MBA vermittelte Wissen zurück.


Was siehst du als besondere Herausforderungen bei deiner neuen Aufgabe?


Steve Jobs hat mal gesagt, seine besten 99 Ideen waren die, die er nicht weiterverfolgt hat. Seit ich selber festlegen muss, auf welche der vielen guten, aber eben auch oft unsicheren Ideen und Projekte unsere knappen Ressourcen allokiert werden sollen, weiss ich besser, was er gemeint hat. Ausserdem berührt der PARK INNOVAARE öffentliche Interessen, weswegen viele Stakeholder zu berücksichtigen sind. Das erfordert besondere Umsicht.


Inwiefern hat dir der MBA bei der Bewältigung deiner heutigen Aufgaben bei Switzerland Innovation Park Innovaare geholfen?

Ohne das Fachwissen und die Erfahrungen aus dem MBA hätte ich diesen Posten weder bekommen, noch hätte ich ihn ausfüllen können.

 

 

 

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Nils Gebhardt

Nils Gebhardt war MBA-Student an der Steinbeis School of Management and Innovation von 2010 bis 2012. In dieser Zeit war er Head of Marketing bei PwC Management Consulting. Seit Mai 2015 leitet er den PARK INNOVAARE.

Kontakt:
Telefon: +41 56 461 70 70
info(at)parkinnovaare.ch

Managing Director
INNOVAARE AG
Mai 2015–Heute

INNOVAARE AG is the operating company of PARK INNOVAARE, a location of "Switzerland Innovation", a federal structure of sites dedicated to innovation, right now being established in Switzerland. As a managing director with INNOVAARE AG I am responsible for the operations management. With a team of dedicated specialists in real estate mangement, marketing and communications, innovation and science management we are working in bringing forward PARK INNOVAARE as a leading location for innovations linked to the particle accelerator technology. www.parkinnovaare.ch

Senior Manager
Blauhut AG
Dez. 2013–Heute

Zürich, Schweiz
 
Head of Marketing
PwC Management Consulting
2007–2013

Frankfurt am Main, Deutschland

Spokesperson
Deutsche Arena GmbH / Prime Time Entertainment AG
2006–2007

Frankfurt am Main, Deutschland

Mehr Infos zum Park Innovaare gibt es hier.